Karla Bilang, Auszug aus der Laudatio, 2017 zu Cornelia Lorenz. Tiere, Menschen, Landschaften

Cornelia Lorenz. Tiere, Menschen, Landschaften

Cornelia Lorenz verkörpert den traditionellen Künstlertypus, der seine Inspiration aus der Betrachtung der Natur und ihrer Kreaturen gewinnt. Die Künstlerin zeichnet nicht das, was sie weiß, sondern das, was sie sieht: Den gewissen Moment, in dem etwas Eigentümliches hervortritt und in dem sich eine typische Bewegung oder ein bestimmter Ausdruck zu erkennen gibt.

Auch in der Skulptur ist die Lebendigkeit der Darstellung zu spüren. Das in den Zeichnungen quasi vorformulierte Charakteristikum wird in der Plastik zur endgültigen Form gebracht, beispielsweise im betonten Kontrast der plastischen Massen: Der dick aufgeplusterte Körper des Strauß und dazu sein dünner Hals. Das alles wird in der Waage gehalten durch die dünnen, aber auch kräftigen Beine. Die Bronzeskulptur lebt aus der Verteilung der Gewichte und aus der Behandlung der Oberfläche, die keine geschlossene Außenhaut, sondern eine zergliederte Oberfläche aufweist, in der sich das Licht bricht.

Das Beobachten der Besonderheiten macht auch vor der Menschendarstellung nicht halt. Der Sonnenanbeter (Steinguss, 2000)steht selbstvergessen da und lässt sich die Sonne ins Gesicht und auf den Kugelbauch scheinen. Seine kurzen Beine, der gedrungene Körper, der lange Hals  und die abstehenden Ohren stellen eher das Unvollkommene der menschlichen Natur in den Fokus. Das Charakteristische ist das Interessante, das Menschliche.

In der Grafik wird bewusst – mal vehement, mal verhalten- mit dem Hell-Dunkel-Kontrast gearbeitet. Schatten werden gesetzt, helle und dunkle Partien zusammengezogen. Dadurch entsteht eine Großzügigkeit und Klarheit der Form, die den ordnenden Geist der Bildhauerin verraten. Die Aquatinta-Blättern Zirkus und Pferde am Abend sind ganz ohne Linie allein aus Grauwerten aufgebaut. Die Gestalten der drei Pferde auf der abendlichen Koppel werden zu einer einzigen Form zusammengefasst und ergeben das Bild einer Weltabgeschiedenheit, die berührt und in der Reinheit des Natureindrucks heutiges Leben hinterfragt.

Karla Bilang, Auszug aus der Laudatio, 2017

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